Als wir in den 70er Jahren von der 3-Zimmer-Wohnung bis zu ganzen Häusern in Wohngemeinschaften zusammen fanden und wieder wechselten, Netzwerke und Feste sowie politische Aktionen planten und Nachrichten austauschten, in Frauen- und Männergruppen unsere Herkunft und Prägungen reflektierten, war diese Bewegung von außen kritisch gesehen:

Die Öffentlichkeit kannte meist nur Kommune-Berichte mit gemeinsamen Schlafzimmern und phantasievoll angedeuteten Orgien, die Vermietenden erlebten nette Leute, die brav zur Arbeit oder zum Studium gingen, und mit Ausnahme mancher Feste genau so ordentlich, manche sogar als Hausmeister, Schnee schippten und putzten.

Jede dieser Wohngemeinschaften hatte früher auch ein paar nette Nachbarinnen, die sich über Anschluß freuten und mindestens zu Weihnachten ihre Gaben den Verbliebenen bescherten: Einschließlich einer, vorher einer anderen Nachbarin im Streit nachgeworfenen Gans erinnere ich mich auch an in Butter schwimmende Forellen und Erzählungen, wie die Leni den Führer dann doch nicht bedienen durfte.

Aus einem anderen Haus habe ich noch den Nachlaß einer KZ-Entflohenen aus Lemberg, erst nach ihrem Tod entdeckt, zwischen säuberlichen Tischdecken und Bettwäsche, von der Hausverwaltung rausgeworfen.

Prof. Dr. Rolf Schwendter bezifferte in den 80er Jahren die Schätzung mit bundesweit fünfstellig an WGs, mit einer sechsstelligen Zahl an Bewohnenden. Aus unserer Bewegung damals sind nur etliche Paare übrig, wenige Häuser und Projekte, aber auch etliche Kinder, die das Aufwachsen zwischen vielen Bezugspersonen sehr verschiedenartig einschätzen.

Die Lernstrukturen waren offen und vielfältig, wie unsere Fähigkeiten und Interessen: Musik machen oder sammeln, Einrichtungen und Hochbetten zimmern, kochen und Feste veranstalten: Viele Leute haben viel zu feiern! Dazwischen Wechsel der Beziehungen, der Wohnungen, der Arbeits- oder Studienorte, ansteckende Reiseberichte und Beziehungsformen, es war allerlei geboten.

Und für heute daraus lernen:

Die altersgerechten Formen von mehreren Generationen sind noch nicht entwickelt, die „Familienform“ setzte sich nicht fort, die Zweck-WG wurde in den Studentenkreisen zur eher flüchtigen Variante.

Das Zusammenfinden bräuchte neue Vorstellungen der verbleibenden Jahre, die in Planungen und Investitionen fließen, und das Retten in Erbschaften und Genossenschaften mit Einzelbesitz stehen noch im Vordergrund.

Es gibt zwar schon allerlei Wohnbau-Genossenschaften und Gemeinden, die an neuen Nachbarschaften interessiert wären, doch ist die Form der Moderation von Teilnehmenden und Wünschen so wenig bekannt und entwickelt wie die Vorbereitung von neuen Projekten.

Ein früherer Start kann sich hier fortsetzen: http://wohngemeinschaften.blog.de

Beim Community-Building hatte Scott Peck seine Einschätzungen eingebracht. Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck ist Gruppenkommunikation ohne Leitung („group of all leaders”). Mehr im Ansatz im Community-crossover

 

 

 

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