Der Junge hatte ein heißes Leben …

… auch wenn es im bei der Geburt in der Mark Brandenburg nicht an der Wiege gesungen worden war, dass er mal als Frau in etlichen berühmten Clubs tanzen würde, selber einige Lokale führen würde, zwischen fleißigem Anschaffen und vielerlei Beziehungen in der Domina- und Heilerziehungsbranche und Pflege zu landen und in München ein begleitetes geruhsames Abschließen zu finden.

Auch alle Katastrophen und Leiden der PatientInnen in der forschenden Medizin, von der Geschlechts-Umwandlung bis zu Brust-OPs mit Leichenfett: Eine Geisterbahn durch die mutigen 50er Jahre, die verlogenen 1960er Jahre auf St. Pauli und in Berlin, noch das große Geld in der „züchtigen“ Schweiz …

wenn der Engel seine Kerzen-Nummer macht …

Kirsten Nilssons Buch wurde vom Forum Homosexualität und Geschichte im Lothringer13 mit einer Lesung von der Lektorin Linda Strehl und Verwandten und Mitarbeitenden des Forum in einer Lesung vorgestellt, Philipp Gufler stellte einen Film dazu zusammen:

Die Geschichte besang auch Klaus Hoffmann: Im Salambo

Der Engel, der die Kerzen-Nummer macht:
Kirstens Freundin Natascha hatte von der Hamburger Polizei (Mitte 1970er Jahre) ein Verbot ausgesprochen bekommen, die Kerzen-Nummer zu tanzen: Sich bei der großartig gestalteten Show im Salambo, dem best gestyltesten Sexclub auf der Großen Freiheit in Hamburg auf der Bühne eine Kerze in die Vagina einzuführen, sich zu befriedigen …

also nannte sich Kirsten, die ja nicht Natascha war, in Natascha um und tanzte die Nummer, auch wenn ihre Vagina noch sehr kleln war: In Casablanca frisch operiert, denn vorher war Kirsten noch Erick Böttcher aus der Mark Brandenburg gewesen.

Wenn es Probleme gab: Die Sitte hatte immer Zeugen im Laden, die die Damen nach Hause begleiteten oder ließen …

(Bei Klaus Hoffmann: Die Herren von der „Sitte“: Die moralische Zensurbehörde, eine Polizei-Abteilung)

Quilt für Kirsten Nilsson von Philipp Gufler, München

Quilt für Kirsten Nilsson von Philipp Gufler, München

Die ganze Geschichte gibt es in einem schmalen [Buch des Forum mit Unterstützung der Regenbogenstiftung München](http://forummuenchen.org) für einen Zehner, und hoffentlich noch in einem größeren Rahmen gefeiert, dann sing ich den Fandango …

denn die wilde Mischung aus Transsexualität und Edelstrich, Show und Selbstbild, Geschichte und Zensur ist so reichhaltig, dass sie immer wieder als Befreiung gefeiert werden muss, wie das Klaus Hoffmann schafft …

Kirsten starb, nach dem sie die Rohfassung des Buches in Händen hielt, friedlich in München, wo sie sich eine Rückkehr in eine gutbürgerliche Lebensart und späte Pflege und gute Kontakte gestaltet hatte, nach dem ihr Vater gemeint hatte, dass sein Sohn in einer Dachkammer enden würde … und wir danken ihr für ihre Offenheit! Es war ein Fest …

Kirsten Nilsson: Vom Hitlerjungen zur Domina,

 Ein transsexuelles Leben im 20. Jahrhundert

Kirsten Nilsson, geboren 1931 als Karl Erick Böttcher in der Mark Brandenburg, 1945 aus Küstrin nach Oberbayern geflohen, lernte Damenfriseur und Kostümschneider, studierte im München der Nachkriegszeit Schauspiel und Tanz, tauchte in die Schwulenszene ein und arbeitete beim Zirkus, bevor er als „Sylvia“ Ende der 50er Jahre seine Berufung als „Damenimitator“ in den Travestie-Clubs von München, Berlin und Hamburg fand. 1964 unterzog sich Kirsten als eine der Ersten in Deutschland einer riskanten geschlechtsangleichenden Operation in Marokko. Sie trat als Tänzerin und ***-Star in den Erotik-Theatern von St. Pauli auf, besaß eigene Bars und Strip-Lokale und arbeitete auf dem Edelstrich. Kirsten starb im Juli 2017.

Die Lesung aus der 2017 im forum homosexualität münchen e.V. erschienenen Lebensgeschichte präsentiert Stationen aus Kirstens bewegtem Leben. Philipp Gufler zeigt eine Filmcollage und einen neuen Quilt, in denen er sich mit Kirstens Biografie auseinandersetzt.

Quilt für Kirsten Nilsson von Philipp Gufler, München

Quilt für Kirsten Nilsson von Philipp Gufler, München

Freitag, 09. Februar 2018:  Moderation Linda Strehl; Es lesen Sabrina Berndt und Caroline Sollacher – Auch für anspruchsvolle Gäste

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Lothringer13_Florida  und dem forum homosexualität münchen e.V. – Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur.

Mitveranstaltende für das nächste Event hoffentlich: Queerkafe im Kafe Marat, queerplus, www.vivats.de  und transmann.de sowie bimuc.worpress.com

Kirsten Nilsson: Vom Hitlerjungen zur Domina 10.- + Porto

Share

Flattr this!