Das Spektakel ist vorbei. Die einen triumphieren, die anderen lecken ihre Wunden. Allenthalben schnattern „Fachleute“ über Ursachen und Wirkung. Da nehm ich mir doch die Freiheit, mitzumachen …


Wahlenthaltung sichtbar machen!

Manche Mitmenschen ergriff nach der bayrischen Landtagswahl tiefe Depression. Seehofer und seine gefügigen Medien vermittelten ein Wahlergebnis, das beim ersten Hinsehen den Eindruck erzeugte, als ob beinahe jede/r zweite Wahlberechtigte die herrschende Staatspartei gewählt habe. Tatsächlich wählte weniger als ein Drittel der bayrischen Bevölkerung die CSU.

Das überall präsentierte Tortendiagramm verzichtete auf die Darstellung der prozentual gesehen stärksten Kraft, die Nichtwählerinnen und -wähler, deren Stimmen automatisch auf die im Parlament vertretenen Parteien aufgeteilt wurden.

In Wahrheit sieht die politische Landschaft in Bayern heute so aus:

Ich fordere: Die Stühle im Parlament, die Nichtwählerinnen und -wähler repräsentieren, bleiben leer. Dies würde nicht zuletzt Steuergelder für Diäten, „wissenschaftliche“ Mitarbeiter, Büros sowie Abgeordnetenpensionen einsparen.

Ich fordere das wahre Tortendiagramm, damit sich Nichtwählerinnen und -wähler in den Ergebnissen wiederfinden. Niemand, der/die den öffentlichen Raum durcheilt, muss glauben, dass jeder zweite Passant CSU gewählt hat. Die Erleichterung wäre groß. Begegnungen könnten wieder spontan stattfinden, das allgemein zwischenmenschliche Klima würde wieder einen Hauch fröhlicher.


Die wahren Piraten

Die kleinen Parteien, unter ihnen angebliche „Piraten“, scheiterten an der 5-Prozent-Hürde. Auch ihre Stimmen wurden eiskalt als nicht relevant erklärt, ihr kleiner Erfolg wurde von den Etablierten gestohlen und gierig aufgeteilt.

Das Pseudoargument für diesen Vandalismus lautet: Weimarer Verhältnisse verhindern! Tatsächlich gäbe es viele andere Möglichkeiten, Weimarer Verhältnisse zu verhindern. In Wirklichkeit geht es den etablierten Parteien darum, sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe zu halten.

Deshalb, so meine Forderung, müssen kurzfristig die Sitze der kleinen Parteien, die an der 5-Prozent-Hürde gescheitert sind, ebenfalls leer bleiben. Damit werden auch sie zunächst einmal sichtbar. Langfristig ist die Abschaffung der 5-Prozent-Hürde fällig.


20.000 Euro monatlich

Bei den Bundestagswahlen (und mit Sicherheit auch bei den Landtagswahlen) haben die meisten Abgeordneten ihre „wissenschaftlichen“ Mitarbeiter bzw. ihr ganzes Büro zu Wahlkampfzwecken eingespannt.

Dies ist eigentlich verboten, und das wissen die Abgeordneten. Das Büro dient ausschließlich der parlamentarischen Arbeit und darf nicht für Parteizwecke missbraucht werden. Jede/r Bundestagsabgeordnete erhält monatlich 20.000 Euro aus Steuergeldern, um die Büromitarbeiter zu bezahlen. 

Mitbewerberinnen und -bewerber, die nicht Abgeordnete sind, haben einen Nachteil, wenn sie mit Abgeordneten konkurrieren, die mit aus Steuergeldern bezahlten Mitarbeitern Wahlkampf betreiben.

Frau Staatsanwältin, übernehmen Sie!

Sofortige Zusammenlegung von CDU/CSU und SPD jetzt!

Diese Parteien nennen sich „Volksparteien“. Verwunderlich, denn es gibt nur ein Volk und dieses spricht mit „Volkes Stimme“, worauf sich diese Parteien berufen.

Konsequent sollten sich daher diese Parteien zu einer zusammenschließen.

Dieser Synergieeffekt vermindert Wahlkampfkosten, spart Parteizentralen und Parteiangestellte und bedeutet die finanzielle Entlastung des gesamten Volkskörpers. Nicht zuletzt wird eine allfällige Verwirrung im Volk beendet, das jetzt endlich die Partei als seine einzige Deutsche Volkspartei (DVP) erkennt und würdigt.

Öde Wiederholung des Immergleichen

In der Stimmungsdemokratie benötigen Politiker Fähigkeiten, ohne die sie scheitern würden. Sie müssen riechen können, woher der Wind weht, was die Stammtische reden, was das gesunde Volksempfinden spürt. Gefühle sind ausschlaggebend.

Politiker sind reaktive Organismen, den Amöben gleich, die auf Hell und Dunkel reagieren. Zum Spitzenpolitiker wird, wer Impulse setzt, die Hell und Dunkel in Bewegung bringen.

Seehofer hat zur rechten Zeit die Autobahnmaut für Ausländer verlangt und damit manipulativ und verführerisch der Grundstimmung des Stimmviehs Futter gegeben. Das neue Gefühl überlagerte die alten ungustiösen Gefühle, die sich bei der Nennung der Bayrischen Landesbank, der zuträglichen Beschäftigung von Verwandten im Landtag, einer verfehlten Agrarpolitik oder Gustl Mollaths einstellten.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt darin, zur rechten Zeit die rechte Gefühlssetzung in den Volkskörper zu implementieren. Und sie wissen, was sie tun …

Nicht wenige CSU-Wähler laufen am Tag nach der Wahl zerknirscht durch die Gegend. Sie fühlen, dass sie etwas falsch gemacht haben; sie haben sich verwählt. Zum Glück haben sie vier Jahre Zeit, dieses Gefühl wieder zu vergessen.

Gefühle sind schön, aber sollte man sie wählen lassen? Denn SIE wissen nicht, was sie tun.

Tatsache ist …

Es herrscht Furcht! Die vielfältigen Kontrollmechanismen werden ausgebaut, verfeinert und dezentralisiert, die Entfaltung der Technologie der Kriegführung nach innen wird forciert, auf allen Ebenen werden die Zügel angezogen, so dass Bundeswehr, Polizeien, Geheimdienste, Technisches Hilfswerk und weitere Institutionen nicht mehr, wie das Grundgesetz es vorschreibt, getrennt, sondern immer vernetzter agieren werden.

Die Furcht wird kompensiert: Gleichzeitig ist bei uns die Entfremdung durch die Ware und die rasante Entwicklung in den Technologien noch tiefer in die Beziehungen eingedrungen und dies nicht nur durch aktive Zustimmung derer, die sich begeistert mit den herrschenden Verhältnissen identifizieren, sondern auch durch passive Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung.

Nicht zuletzt erfindet sich die (Un)ordnung der Dinge immer wieder neu. Aufklärung, die diese Reproduktionsabläufe hinterfragt, prallt an den Haltungen der Mehrheit ab.

Die da um uns herumgeistern, isoliert in einer diffusen Zersplitterung von kleinteiligen, unberechenbaren Lebens- und Arbeitszusammenhängen, beschäftigt mit schrillem MOBILE GAMING, zeichnen sich aus durch ihren bescheidenen Kleinmut, ihren Infantilismus, ihre Bieg- und Beugsamkeit, ihre devote Bereitschaft, alle Aspekte ihres Lebens an ihm übergeordnete Instanzen zu delegieren, und durch das vorherrschende Gefühl, in einer ewigen Gegenwart zu leben, ohne eine Ahnung davon zu haben, dass das alles von Menschen erzeugt wurde, eine Historie hat und immer mehr in einen Verfälschungsprozess mündet, der sich am Vorbild des Themenparks orientiert.

Schluss damit! Besser ist es, wir beschäftigen uns nicht weiter mit den Ursachen des Gestanks, sondern sorgen für eine bessere Geruchsnote. Das Parfüm heißt:

BAYERN – DIE VORSTUFE ZUM PARADIES“       – – – – – Franz Gans

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