Die Gegenwart der Kirche in der Welt kann nur in ihrem Zeugnis von der Befreiung bestehen. das sich in einer bestimmten Haltung gegenüber der Welt ausdrückt: einer utopischen Haltung.

Utopische Haltung ist nicht Entfremdung von der Wirklichkeit oder bloße Rhetorik, sondern bedeutet vielmehr die ständige Verwertung enthumanisierender Strukturen und die Fürsprache für solche Strukturen, in denen der Mensch Mensch sein kann.

Da man aber nicht außerhalb der wechselvollen Lebenspraxis dieser Welt verwerfen oder verkündigen kann, impliziert utopische Haltung ein Engagement in der Geschichte – ein In-Pflichtgenommen-Sein für die, denen keine echte Chance gegeben ist, in Freiheit zu sprechen und zu leben.

Paulo Freire in:  Unterdrückung und Befreiung,  Zeugnis der Befreiung, Waxmann 2007
erschienen in: Bildung – Ganz! Hg. vom Büro für Bildungsfragen beim Ökumenischen Rat der Kirchen

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