Töff töff, Hurra und schwarze Sünde Ein nicht nur vergnüglicher Abend über Leben und Werk von Zenzl und Erich Mühsam

Dass der Schwabinger Erich-Mühsam-Platz keine Hausnummer kennt, hätte den Dichter sicher amüsiert. Mit dem heute so beliebten Klischeebild des Bänkelsängers und Caféhaus-Literaten hätte er sich weniger gerne angefreundet.

Der Dichter und Anarchist war nicht nur Analytiker der herrschenden Verhältnisse, er mischte sich auch aktiv ein in die Politik. So war er der erste, der am späten Nachmittag des 7. November 1918 vor der Türkenkaserne in der Türkenstraße die bayrische Republik proklamierte.

Nach seiner Freilassung aus der Festungshaft setzte er sich in den zwanziger Jahren für die Befreiung politischer Häftlinge ein; den aufkommenden Nationalsozialismus, dessen frühes Opfer er 1934 wurde, bekämpfte er entschieden.

Sein Engagement ist ohne seine Gefährtin Zenzl nicht denkbar. Sie war nicht nur seine Frau, sondern seine Gefährtin im Geiste. Sie kämpfte leidenschaftlich für ihn, als er nach der gescheiterten Revolution in Bayern in Festungshaft saß, und sie kämpfte für ihre gemeinsame Überzeugung einer humaneren Welt, die machbar ist. Dafür hatte sie ein Leben lang zu büßen: zuerst mit Flucht aus Nazi-Deutschland, dann mit jahrelanger Lagerhaft in Sibirien.
erich und zenzl
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland, in die DDR, wurde sie dann vergessen. Nicht ganz! Karin Sommer, die Leiterin der Villa Waldberta, Künstlerhaus der Landeshauptstadt München, und Autor Günther Gerstenberg lesen im Zenzl-Mühsam-Saal einige Gedichte und gehen den Spuren des ungewöhnlichen Paares nach. Lichtbilder ergänzen den Vortrag.

Eine Veranstaltung des Seidvillavereins und des Archiv der Münchner Arbeiterbewegung
26.3. Mittwoch 19.30 Uhr Seidlvilla – das Haus für Schwabing, Nikolaiplatz 1b, 80802 München

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