Grundlagen gemeinschaftlicher Prozesse emanzipatorischer TheaterArbeit

Wenn JournalistInnen heute über Theaterleute und Inszenierungen reden, sind es meist Autoren und Regisseure, Filmschauspielende, die“ Namen“ haben und schlimmstenfalls als „Ausnahmekünstler“ bezeichnet werden.

Wovon die vereinzelt „schreibende Zunft“ wenig Ahnung zu haben scheint: Die gemeinschaftlichen Prozesse einer Inszenierung, die Grundlagen der Selbstorganisation und der Selbst-Ermächtigung im gemeinschaftlichen Bewusstsein.

Theater ist uralt

In der griechischen Polis wurden die Rituale in künstlerische Form gebracht, geschrieben und aufgeführt, die vorher von Priestern in familiärer Tradition oder in berufener Nachfolge als Götteropfer zuverlässig und gleich sein mussten, wie magische Formeln und „Heilige Messen“ ihre schicksalshafte Kraft eben ausüben.

Die Theater-Schöpfenden sprachen damit nicht mehr stellvertretend mit den Göttern, sondern mit dem Regenten, dem König und dem Volk, das möglicherweise auch noch als Chor auftritt, aber auch in den Rängen sitzt und das Dilemma der Hauptpersonen erlebt. Das ist die Essenz jeden Theaters: Das Dilemma, das zu lösen ist.

Dabei gab es den wichtigen Unterschied, wie es gelöst wird: Einzig und „richtig“, wie es ein „Happy End“ vorgeben soll, oder ofen und vielfältig, wie es Bert Brecht bei seinen Lehrstücken und in der Nachfolge Augusto Boal im Forumtheater angelegt haben.

emanzipatorische Theaterarbeit

entstand auf der Grundlage von Bewusstseins-Bildung, wie sie im Umfeld von Bert Brecht von etlichen Freunden in gemeinschaftlicher Entwicklung betrieben wurde, im intensiven Austausch und kritischer Reflexion mit vielen FreundInnen und KollegInnen wie (hier beispielhaft) Erwin Piscator und Hanns Eisler, die nach den passenden neuen Formen für die kommunistischen und sozialistischen Ideen ihrer zeit und ihres Umfeldes suchten.

Das war besonders schwierig, als nach den russischen Hoffnungen auf eine Räte-Republik dort die zentralistischen und mörderischen Genossen die Macht übernommen hatten und die Idee der gemeinschaftlichen sozialistischen Demokratie in Deutschland durch die SPD in Deutschland ab 1919 zerstört wurde. Die kommunistische Internationale suchte weiter.

Im Exil wirkten sie alle weiter:

Erwin Piscator als Theaterpädagoge in New York

Judith Malina, die Gründerin des Living Theater, gab ihr „The Piscator Notebook“ heraus

Die Brecht-Rezeption in anderen Ländern ist weit aufmerksamer

(wie heute noch bei Ernst Toller)

Augusto Boal und Brecht

Selbsthilfe und Selbstorganisation

Selbst-Ermächtigung im gemeinschaftlichen Bewusstsein

Der Wandervogel war vollständig selbstorganisiert

Im Gegensatz zu den konfessionellen Jugendverbänden und den Pfadfindern hatte der Wandervogel eine große Breite, aber keine gemeinsame Fixierung auf Gott, König und Vaterland, wie es bei den Pfadfindern als englischer Variante ausgegebene Grundlage war, die dann auch sofort in Richtung Krieg autoritativ zu mobilisieren war.

 

Von der Wandervogel-Bewegung …

aus grauer städte mauern

heraus

hinaus in Gottes schöne Welt

 

http://sozialwissenschaft.wikispaces.com/Selbstorganisiertes+Lernen

 

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