Ein Liederabend bringt die Spannung ins Theater, ein Film nun ins Kino:

„Was Franz Wittenbrink unter dem trügerischen Titel „Schlafe, mein Prinzchen“ und dem ebenso arglosen Untertitel „Ein musikalischer Abend“ 2015 auf die Bühne des Berliner Ensembles brachte, wurde von Andreas Lechners Berg Film und noovee media gefilmt und kommt nun in München und Regensburg ins Kino.
Es geht um die Regensburger Domspatzen auch wenn sie nicht genannt werden: Von der Hölle der schwarzen Pädagogik zur reformpädagogischen Vorzeigeschule Odenwald – vom Mozart’schen „Agnus Dei“ zu „Keine Macht für niemand“ von Ton Steine Scherben.“ www.berg-film.com
Ausschnitte aus dem Theaterstück (2 Min. 23 Sek.): www.youtube.com/watch?v=7W101ImhyK4

Schwarze Pädagogik

Nach Katharina Rutschky zielt Schwarze Pädagogik auf die Installation eines gesellschaftlichen Über-Ichs im Kind, auf die Heranbildung einer grundsätzlichen Triebabwehr in der Psyche des Kindes, die Abhärtung für das spätere Leben und die Instrumentalisierung von Körperteilen und Sinnen zugunsten gesellschaftlich definierter Funktionen. Unausgesprochen diene die Schwarze Pädagogik der Rationalisierung von Sadismus und der Abwehr eigener Gefühle des Erziehers oder der Bezugsperson. Die Schwarze Pädagogik bediene sich dabei der Mittel des Initiationsritus (z. B. Introjektion einer Todesdrohung), der Hinzufügung von Schmerz (auch seelischem), der umfassenden Überwachung des Kindes (Körperkontrolle, strenger Verhaltenskodex, Forderung unbedingten Gehorsams), der Tabuisierung von Berührung, der Versagung grundlegender Bedürfnisse und eines übertriebenen Ordnungsdrills.

Alice Miller arbeitet in ihrer Auseinandersetzung mit der Schwarzen Pädagogik besonders einen Aspekt heraus, nämlich wie Kinder dazu gebracht würden, nicht zu merken, dass sie unter der Gewalt von Erwachsenen missbraucht wurden, auch und besonders in der Form sexuellen Missbrauchs.[1] wikipedia.org/wiki/Schwarze_Pädagogik

Klerikale Männerbilder

In der katholischen Kirche hat sich ein Männerbild konserviert, das von alten medizinischen Annahmen ausgeht, die denen des Moritz Schreber entsprechen, die im 3. Reich in der arisch gläubigen, rassistischen Lehrerausbildung angewandt wurde. Dr. Schreber hatte sehr mechanistische Theorien, baute Apparate zur Kinder-Erziehung und die Verbreitung und Verehrung, auch die „keusche“ Übersetzung der auch vom Wandervogel propagierten Gesundheitsbewegung brachte ihm die Widmung der „Schreber-Gärten“ ein:

Sie passten in die faschistische wie in die klerikale Zucht:

den Körper stählen, Luft, Sonne, aber nur am offenen Fenster …. und allerlei zu tun, um die Jungs an der Vergeudung ihrer guten Säfte zu hindern, (was in allen Männerkreisen mit Rückenmarks-Schwund, frühzeitigem Enden der Potenz etc. bedroht wurde und, da tabuisiert, immer noch weiter erzählt wird.

Die arischen Bilder wirken weiter, weil sie nie wirklich verarbeitet wurden, der „Triumpf des Willens“ könnte auch grade noch bei der AFD und im amerikanischen Wahlkampf eingesetzt werden, frau Steinbach verschickt blonde Mädchen-Bilder, die rassischen Idole der MANNschaft, die doch gar nicht arisch aussah und wenig idealistisch agierte.

Tabu des bewussten Körpers

Mediziner haben die Arbeitsweisen der alten rassischen Entwicklungen wenig reflektiert und erst in den letzten Jahren zu „sprechenden Medizin“ gefunden: Bevormundung und Fremd-Verwaltung gehen im Krankenkassen-Wesen bis heute weiter. Den Patienten aufklären, das war lange als gefährlich und schwächlich abgetan worden. Die Götter in weiß … wirken weiter: In den englisch-sprachigen Ländern wird „aus hygienischen Gründen“ immer noch mehr beschnitten: („Dann wichst er vielleicht weniger“)

Aufklärung und Sexualpädagogik

Die Nazis zerstörten das Berliner Institut für Sexualforschung, in dem Magnus Hirschfeld die Geschlechter-Forschung begonnen hatte …

Der §218 und die Bestrafung der Abtreibung hinderten die verantwortungsvollen Ärzte an der Hilfe für schwangere Frauen, die nach Holland ausweichen mussten, bis die Kampagne „Ich habe abgetrieben“ im Stern die Diskussion in den 80er Jahren neu erzwang und

Schwangerschaft durch Küssen

war eine ganz normale Angst der Mädchen, denen man ab der Regel-Blutung beibrachte, dass sie nun vorsichtig sein müssen, bei jeder Begegnung mit einem Mann.

Sexualpädagogik

entstand in bayrischen Schulen gegen den Widerstand frömmelnder Kreise in den 80er Jahren vor allem in der Theorie: An den Schulen fand nur statt, was sich mutige Lehrkräfte erlaubten, denn die Anleitungen und Vorschriften waren kaum zu bekommen.

Schlafe, mein Prinzchen

Das Theaterstück von Franz Wittenbrink am Berliner Ensemble wird von Berg Film, Andreas Lechner in Zusammenarbeit mit dem „Unabhängigen Archiv ehemaliger Regensburger Domspatzen“ in ausgewählte Kinos gebracht:
MÜNCHEN • Filmtheater Sendlinger Tor www.filmtheatersendlingertor.de
Dienstag, 1. März 2016 – 20:30 – Eintritt: 10 € – mit anschließendem Publikumsdialog
REGENSBURG • Ostentor Kino, Regensburg www.ostentorkino.de
Samstag, 5. März 2016 – 15:00 – Eintritt: 7 €
Sonntag, 6. März 2016 – 13:00 – Eintritt: 8 € – mit anschließendem Publikumsdialog
Was Franz Wittenbrink unter dem trügerischen Titel „Schlafe, mein Prinzchen“ und dem ebenso arglosen Untertitel „Ein musikalischer Abend“ 2015 auf die Bühne des Berliner Ensembles brachte, wurde von Andreas Lechners Berg Film und noovee media gefilmt und kommt nun in München und Regensburg ins Kino.
Es geht um die Regensburger Domspatzen auch wenn sie nicht genannt werden: Von der Hölle der schwarzen Pädagogik zur reformpädagogischen Vorzeigeschule Odenwald – vom Mozart’schen „Agnus Dei“ zu „Keine Macht für niemand“ von Ton Steine Scherben.
Die Kinder werden von weiblichen Schauspielerinnen gespielt, die in einem 3wöchigen Intensivkurs zu stimmlicher Höchstleistung gelangten. Bertolt Brecht hätte dieser Liederabend gefallen: Ein gnadenloser Blick auf das gut gehütete Innenleben des Katholizismus, vorgetragen in den schönsten und reinsten Tönen der Kirchenmusik. Und wie vorgetragen! Man meint, die Kammerchor-Auswahl eines gewissen weltberühmten Knabenchors zu hören, dazu Wittenbrink am Flügel, begleitet von einem Bläser und einem Cellisten. (Mittelbayerische Zeitung)
Schlafe, mein Prinzchen – Länge: 1 Std. 45 Min.
Ausschnitte aus dem Theaterstück (2 Min. 23 Sek.): www.youtube.com/watch?v=7W101ImhyK4
Barbara Braun • MuTphoto – Musik- und Theaterphotographie, Portraits www.mutphoto.de

 

 

 

 

 

 

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