der nächste Salzstangensalon findet am Mittwoch nächster Woche, also am 26. Februar, um 20:00 statt, und zwar in der Ligsalzstraße 8 im Westend, wo es einen großen Raum im Erdgeschoss gibt, der durchaus wohnzimmerlich anmutet und mit Klavier, Beamer und Leinwand auch musikalisch oder cinephil genutzt werden kann. Und das neue Programm hat den Schwerpunkt Film.

Brigitte Spielmann-Sommer und ihr Mann zeigen „Hier war ich Kind”, klug zusammengeschnittene, stumme Super8-Aufnahmen aus den 50er und frühen 60er Jahren, die Brigitte im Kreis der Familie zeigen, zu schöner Musik von Walzer über Swing bis Moderne und zartbitteren, zunehmend bitterer werdenden Zwischentiteln; der Film handelt eher vom Zerfall der Idylle, als dass er sie beschwören würde. Die beiden zeigen die Langfassung des Films (26 Min.), der im Zuschauerkino des Filmmuseums – dessen Vorgaben gemäß – im Dezember in einer 13-minütigen Fassung gelaufen ist und damals zwar sehr berührend, aber auch ein wenig verstümmelt und etwas unproportional wirkte.

Anschließend zeigt Severin Vogl seinen in den Bildideen ausgesprochen pfiffigen Kurzfilm „SINN suchen”, in dem eine junge Frau – die Schauspielerin Theresa Hanich, die ebenfalls vor Ort sein wird – mit einem Megafon loszieht, dann aber doch lieber auf weniger demonstrative Weise einige kurze Passagen aus Texten des Psychiaters und KZ-Überlebenden Viktor Frankl spricht. Dazu werden Wachsfiguren in Zeitlupe abgefackelt, kämpfen Heuschrecken auf kleinen Plastikfiguren, die sonst die Märklin-Bahn beleben, zappeln weiße Luftballons vor düsterem Himmel an Schnüren und können nicht auffliegen, die verhinderten Friedenstauben.

Nach einer Pause zeigt Peter Goedel – Regisseur so großartiger Dokumentationen wie „Talentprobe” (1980) oder „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da” (2011) – dann einen Film, der 1975 für den WDR entstand. Damals hat er Canetti im Zug von Zürich nach Wien begleitet und neben Gedanken und Beobachtungen des Meisters (der den Nobelpreis erst Jahre später bekam) Spielszenen in den Film integriert und Menschen darüber sprechen lassen, was ihnen Canetti heute (also 1975) bedeutet. Das ist teilweise sehr zeitgeistig und insofern auf ganz eigene Weise spannend, teilweise aber nach wie vor äußerst aktuell. Es treten auch der junge Achternbusch und ein langhaariger Michael Krüger in Spielszenen auf. Mit Ulrich Mannes, der für das Cinegraph-Lexikon von Text + Kritik einen längeren Beitrag über den Regisseur verfasst, ist zudem ein Kenner des filmischen Werks von Peter Goedel vor Ort.

Nach allen Beiträgen besteht Gelegenheit zum Gespräch über das Gesehene und Gehörte. Mit Rücksicht auf die Nachbarn muss der Abend zwischen elf und zwölf Uhr ausklingen. An der Theke können Getränke zu sehr mäßigen Preisen erworben werden. Der Eintritt ist frei. Es geht ein Hut für die Fahrtkosten der Teilnehmer und für die bescheidene Saalmiete herum.

Kommt zahlreich und bringt Freunde, Bekannte und (Dokumentar-)Filmfans mit!
Hachinger Bach

Share

Flattr this!