Durch unsere aktive Kooperation im Arbeitskreis „München-Asháninka“ mit dem größten indigenen Volk des peruanischen Regenwaldes und intensiver Beschäftigung des Themas REDD & Co. beteiligen wir uns an der Diskussion und meinen, dass die Vorstellungen der indigenen Völker dringend in die anstehende Überarbeitung des Positionspapiers der NGO`s zu REDD aus dem jahre 2009 einfließen müssen. Dabei ist es wichtig, nicht nur zu fragen. Was wollen wir, sondern auch. Was wollen die Betroffenen – hier die indigenen Völker. wobei anzumerken ist, dass uns natürlich bekannt ist, dass innerhalb der indigenen Dorfgemeinschaften und Zusammenschlüsse es auch zu REDD unterschiedliche Vorstellungen gibt.

Ein sehr guter Leitfaden, wonach nicht nur indigene Organisationen prüfen können, was REDD ist und auf was sie sich einlassen gibt es von IWGIA, Ausführungen und Forderungen vom Dachverband der indigenen Organisationen der Amazonasstaaten, COICA.

Hier nur einige Eckpunkte aus Sicht der indigenen Völker:
1. Vor allen technischen Verhandlungen muss zuallererst das Recht auf den Schutz und Erhalt indigener Territorien gewährleistet sein und die Einhaltung der ILO-Konvention 169 u.a. mit der Einhaltung der „consulta previa“, der frühzeitigen transparenten Information und dem Prozess um zu einer gemeinsamen Übereinkunft zu kommen. Es geht nicht um eine bloße Information. Daran müssen sich auch alle REDD-Interessierten NGO halten nach dem Motto: Nicht FÜR sondern MIT den Betroffenen.
2. Keine Unterzeichnung von REDD-Verträgen warnt AIDESEP.
Der Dachverband der indigenen Organisationen Perus (AIDESEP) ruft alle indigenen Dorfgemeinschaften dazu auf „sich jeder Unterzeichnung für REDD-Angebote zu verweigern, solange nicht die Regeln total transparent, verständlich und klar sind und sich die REDD-Programme wirklich positiv für die Zukunft der indigenen Völker auswirkt.
3. Es wird vor der Gefahr gewarnt, dass Waldgebiete, die im REDD-Prozess eingebunden werden dazu führen können, dass die indigenen BewohnerInnen diese nicht mehr nutzen können (Beispiel. keine Chachra-Nutzung – also Anlegen kleiner Felder für den Eigengebrauch und keine Holzentnahme für den eigenen Häuserbau) und evtl. wenn sogar aus ihren angestammten Territorien vertrieben werden können.
4. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass REDD nicht die Lösung darstellt, sondern, dass, verkürzt gesagt, die Industrieländer wirklich daran gehen müssen, selbst die Emissionen zu reduzieren und nicht auf Gebiete ausweichen, wo die indigene Bevölkerung am meisten die Wälder erhalten haben.
5. REDD, auch REDD+ wird aktuell als eine weitere Bedrohung gesehen (neben Projekten der Erdölförderung, Bergwerkstätigkeit, illegaler Holzeinschlag, Riesenwasserkraftwerke etc.), gegen sich die indigene Bevölkerung wehren muss. Hierzu benötigt sie internationale Unterstützung. Die Bedrohung durch REDD-VERKÄUFER ist real gegeben. Es gibt bereits – nicht nur in Peru – (Umwelt)-Organisationen, die indigenen Dorfgemeinschaften ein Paradies auf Erden versprechen, wenn sie bei REDD mitmachen und sich mit dem Geld alles kaufen können. Es gab auch schon Vorfälle, wo europäische Organisationen Urwaldflächen für REDD-Vorhaben sichern wollten und dafür „nur“ den kollektiven Besitztitel der indigenen Dorfgemeinschaft wollten, für diese die einzige juristische Sicherheit für das Überleben.

Solche und weitere Überlegungen und Vorstellungen unserer indigenen Partner sind unbedingt zu berücksichtigen. Kontext: http://zbb.wikispaces.com/Ash%C3%A0ninka