Recht und Politik

heißt der Band der kommentierten Erinnerungen von Philipp Löwenfeld über seine Lebenszeit zwischen König Ludwig III und dem 3. Reich, auch über Weltkrieg, SPD, Kurt Eisner und seiner Ermordung am 21.Februar 1919, den folgenden Räterevolutionen und der Niederschlagungszeit voll Gerichts-und Volksgerichts-Unrecht bis zum Aufstieg Hitlers durch Thule-und Industriellen-Gesellschaft. Im letzten Moment konnte er 1933 fliehen. Er hatte als Jurist viele Mitbürger vor Gericht verteidigt, und mit zwei Kollegen 1919 die erste Bayrische Verfassung für die Republik geschrieben.

Recht und Politik geraten auch in Moskau aneinander,

Kunst und Körper

Viele Künstler haben ihren Körper zum Thema ihrer Aussagen gemacht, und viele Mönche, die sich in Tibet selbst verbrennen, setzen damit scheinbar ohnmächtig drastische Zeichen, machen aber deutlich, dass die Aussage wichtiger ist als ein Leben unter den gegeben Umständen. Haartracht und Kleidung waren oft auch Aussagen, aber Beschneidung, Brandings, Narben und Tattoos sind elementarere Aussagen: Verletzungen.

Körper und Politik

Das Recht auf den eigenen Körper, Habeas Corpus* hatte uns der Staat genommen, in dem er uns (als Männer) auch mit Gewalt zum Militär einziehen konnte.

Sich mit seiner ganzen Person und dem Körper für einen Gedanken, eine Idee einzusetzen, berührt uns unangenehm, fordert eben gewaltsam eine Haltung heraus.

[Bild: Russland: Regimekritischer Künstler nun in Psychiatrie zwangseingewiesen]

Der inhaftierte Pjotr Pawlenski in Moskau

ist durch seine schmerzerfüllten Performances bekannt geworden, bei denen er sich einmal den Mund zunähte, ein anderes Mal sich nackt in Stacheldraht wickelte  oder aber auch den Hoden auf dem Roten Platz in Moskau festnagelte.

Nackt auf der Psychiatrie-Mauer sitzend, schnitt er sich mit einem großen Messer das Ohrläppchen ab und macht auf die Grenze zwischen Verrückt und Ausgegrenzt aufmerksam, die Mauer, die wie ein Dolch die Anders-Tickenden abgrenzt.

Zuletzt hatte er das gefürchtete Tor des KGB angezündet und war davor stehen geblieben. Seine Aktion begründete er mit dem „Drachen“, der gefürchteten Kraft in der russischen Regierung, die in der Angst der Bevölkerung

Nun wurde der Künstler und Regimekritiker vom Gefängnis, das Urteil für die letzte Aktion waren wohl 30 Tage Haft gewesen, in jener Psychiatrie interniert,  wie Pawlenskis Mitarbeiterin Oksana Shalygina über Aussagen anderer Häftlinge berichtete.

Recht und Politik?

Ein Riesenreich wie Rußland braucht eine gute Struktur, die demokratische Mitwirkung zu ermöglichen, und die alten Räte oder Sowjets waren ja bald in der Einheitspartei und der proletarischen Diktatur des Militär-Apparates untergegangen. Die gewaltvoll erscheinenden Zeichen fordern jugendlich-starke Lösungen, die nicht in alten Parteien liegen können.

Pjotr Andrejewitsch Pawlenskij stellt mir aber auch die Frage, ob unsere Psychiatrie einen angemessenen Umgang fände. Die Fälle Mollath und Haslbauer sprachen nicht dafür.

Dr. Wilhelm Schlötterer, früherer gemobbter führender Mitarbeiter im bayrischen Finanzministerium, nannte es nicht umsonst ein Verbrechen …

  • Habeas Corpus (lateinisch „du sollst den Körper haben“) waren die einleitenden Worte von Haftbefehlen im Mittelalter.
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