Bayerischer Rundfunkvor 16 Stunden

Pfarrer Ludwig Mitterer Hingerichtet an Allerheiligen 1943. Stand: 30.10.2015. Pfarrer Ludwig Mitterer aus …

Was taten die Bischöfe, der Kardinal „von“ Faulhaber in München,

War es das Konkordat von 1936, das die Kirchensteuer als Vorrecht der christlichen Kirchen gesichert hatte, das Geld und die Zustimmung zur Macht, die das Schweigen zu den Tötungen aller Art erkaufte?

War es Feigheit oder der Glaube an die „Macht von oben“, die immer noch gepredigt wurde, gegen jede vernünftige Theologie, die ja schon ein paar Jahrhunderte Auseinandersetzung hatte?

Das Schweigen der Jahrzehnte

Die Kirche hätte genug Archive, das Hauptstaatsarchiv hätte noch einige weitere widerständige Pfarrer im Archiv des Volksgerichtshof, die sich mit „Gelobt sei Jesus Christus“ statt mit „Heil Hitler“ vor die Schulklassen stellten und von den begeisterten jungen Lehrern oder „Schwestern“, wie bei Pfarrer Mitterer, angezeigt wurden.

Natürlich schämen sich die Familien der Denunzianten, aber es ist eine notwendige Befreiung von der alten Angst und dem lastenden Schweigen, das sich nach der Rückkehr der Nazis an die Macht der Nachkriegszeit über das Land breitete: Die LehrerInnen, die Nazi-treuen Pfarrer und Bischöfe, die Polizei, die Anwälte und Richter, viele Bürgermeister und Landräte waren wieder die gleichen … und sorgten für das Verschwinden von Beweisen, so weit es sie selbst betraf.

http://regiowiki.pnp.de/index.php/Ludwig_Mitterer

Kirchengeschichte wäre auch Historiker-Arbeit in diesen Archiven, auch wenn sich die antisemitische Haltung Faulhabers zum Skandal erweist: Dann ist wieder eine Straßen-Umbenennung nötig, denn nicht nur der evangelische Bischof Meiser war ein Antisemit, wie die gesamten Hochschulen seit langer Zeit:

Ein Jude konnte schon zu Königs Zeiten nicht Professor werden, und war er besonders qualifiziert, durfte er Honorar-Professor werden, was aber nicht Geld und Bestallung, sondern EHRE bedeutete:

Professor Dr. Philipp Loewenfeld, der mit zwei Anwalts-Kollegen die erste Bayrische Republik-Verfassung schrieb, stellt sehr anschaulich dar, wie der Antisemitismus der alten Zeit in alle Karrieren, auch im Militär wirkte:

 

  • Recht und Politik in Bayern zwischen Prinzregentenzeit und Nationalsozialismus. Die Erinnerungen von Philipp Loewenfeld Ebelsbach 2004. (Geschrieben 1942, Autobiographie)
    • dazu: Peter Landau/Rolf Rieß (Hg.), Recht und Politik in Bayern zwischen Prinzregentenzeit und Nationalsozialismus. Die Erinnerungen von Philipp Loewenfeld (Münchener Universitätsschriften – Juristische Fakultät, Abhandlungen zur rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung 91), Ebelsbach 2004.

      Rechtsfragen um die letzte Jahrhundertwende

      Gibt’s für 8 Euro in der Landeszentrale für politische Bildung, und vom langweilig wirkenden Titel nicht abschrecken lassen:recht-und-politik

      Recht und Politik in Bayern zwischen Prinzregentenzeit und Nationalsozialismus
      Die Erinnerungen von Philipp Loewenfeld, Verfasser der ersten Verfassung des Freistaat Bayern im Auftrag Kurt Eisners, in gut 700 Seiten mit Kommentaren und weiteren Quellen versehen, lesen sich hervorragend und geben einen anschaulichen Blick auf das Leben des jüdischen Rechtsanwaltes und Honorarprofessor für Recht, der sich in der vor-Revolutionszeit schon zu sozialwissenschaftlichen Fragen organisierte.

      Seine oft beißenden Beschreibungen, auch mitten aus dem politischen Geschehen, und alleine seine bitteren Erwägungen, der SPD beizutreten, klingen absolut aktuell, er kann die Rolle und Sicht der Sozialdemokratie in jenen und heutigen Jahren reflektieren helfen … Hg. von Peter Landau und Rolf Rieß, vorgestellt vom Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

 

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