www.club-voltaire-muc.de Mo, 18. Februar 20 Uhr
im Fraunhofertheater , Fraunhoferstr.9/ Rückgebäude

Zum Gedenken an OLGA Benario`s 100.Geburtstag:

Vortrag von ANITA LEOCARDIA PRESTES, Tochter von Olga Benario,
Geschichtsprofessorin aus Rio de Janeiro über neueste Forschungsergebnisse aus dem Leben ihrer Eltern (Übersetzung : Carlos Soares Pinto)

Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Olga und Luis Carlos mit CLAUDIA SCHMIDT, Schauspielerin

Wir freuen uns sehr, dass Anita Leocardia Prestes anlässlich des 100. Geburtstages von ihrer Mutter nach München, in Olga´s Heimatstadt gekommen ist und uns aus dem Leben ihrer Eltern und ihrem eigenen erzählen wird.
Musikalischer Beitrag: Das 1.Münchner Frauen-Quetschn-Orchester unter der Leitung von Michaela Dietl

Kurze Biografie
In Brasilien ist „Olga“, wie sie dort liebevoll genannt wird, so bekannt wie Frida Kahlo in Mexiko. Olga Benario wurde am 12.2.1908 in München geboren und wuchs dann in Schwabing, Jakob-Klar-Str.1. auf.

Ihr Vater war ein angesehener Rechtsanwalt, der als Sozialdemokrat oft Menschen kostenlos juristisch vertrat. Mit 15 Jahren trat Olga in den kommunistischen Jugendverband Schwabings ein, sehr zum Unwillen ihrer gutbürgerlichen Mutter.

Als sie 17 war, folgte sie ihrem Freund, Otto Braun , nach Berlin. Otto Braun war ein kommunistischer Agitator, knapp 20jährig wurde Olga zusammen mit Otto Braun wegen Hochverrats verhaftet. Durch die Hilfe ihres Vaters kam sie wieder frei.

Berühmt wurde ihr Name durch eine spektakuläre Gefangenenbefreiung, Otto Braun`s, als bekannt wurde,
dass sie ihre Pistole ohne Munition als Waffe benutzt hatte, bekam Olga Sympathien aus allen Schichten, nicht nur aus der Arbeiterbewegung.

Das Paar floh nach Moskau, wo Olga eine militärische Ausbildung absolvierte. Sie wollte gut vorbereitet sein für den Kampf gegen den aufkommenden Faschismus in Deutschland.

Aber es kam anders:
Der berühmte, brasilianische Revolutionär, der „Ritter der Hoffnung“, wie er in Brasilien genannt wurde, Luis Carlos Prestes wollte aus dem Moskauer Exil zurückgehen in seine Heimat,um einen Aufstand gegen das Regime „Vargas“ mit vorzubereiten. Dazu brauchte er einen guten Personenschutz und dafür gab es niemand Besseres als Olga. Sie reisten als wohlhabendes Ehepaar getarnt nach Brasilien.

Als sie dort ankamen, hatten sie sich wirklich ineinander verliebt. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen und viele „Aufrührer“ verhaftet oder erschossen. Olga rettete Luis Carlos das Leben, sie stellte sich vor ihn,als ihn die Polizei bei der Entdeckung erschießen wollte. Dies war 1936.

Luis Carlos und Olga wurden für immer getrennt. Er kam für 11 Jahre in Rio de Janeiro ins Gefängnis und Olga wurde, inzwischen hochschwanger, an Nazideutschland ausgeliefert.

Ihre Tochter, Anita Leocardia, kam im Berliner Frauengefängnis, Barnimstrasse zur Welt. Olga wurde mitgeteilt, sie dürfe das Kind solange behalten, wie sie es stillen könne. Nach 14 Monaten wurde es den Nazis aber zu lang und sie nahmen Olga ihr Kind weg. Erst einige Monate später erfuhr Olga, dass Anita gerettet war.

Die Mutter und die Schwester von Luis Carlos Prestes hatten eine Internationale Solidaritätskampagne initiiert und Anita freibekommen. Olga kam ins KZ Lichtenburg und dann nach Ravensbrück. Dort versuchte sie im jüdischen Block als Blockälteste den Frauen und Mädchen Mut zu machen. Sie organisierte Kultur- und Bildungsabende, jeden Morgen machte sie mit den Mithäftlingen Gymnastik und spornte sie an, sich zu pflegen und nicht aufzugeben.

Im Frühjahr 1942 wurde Olga in der Gaskammer der „Heil- und Pflegeanstalt“ Bernburg ermordet. Die Mutter und der Bruder von Olga Benario starben in Theresienstadt.

Es wird höchste Zeit, dass dieser aussergewöhnlichen Frau auch in ihrer Heimatstadt München ein gebührendes Andenken gesetzt wird.

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