Fast wie ein „Naturgesetz“ durchziehen formale und informelle Hierarchien bestehende Gruppen, Verbände, Vernetzungen und Aktionen mit ihren Plena, Informationsflüssen und Entscheidungsabläufen. Fast alle Versuche, sie zu beseitigen oder zu überwinden, enden nach kurzer Zeit erfolglos oder tauschen eine Hierarchieform gegen die nächste. „Von unten“ als Prozess gleichberechtigter und autonomer Menschen sowie gleichberechtigter, autonom agierender Gruppen und Zusammenhängen findet nicht oder kaum statt. Nicht nur die Praxis fehlt, sondern auch die Theorie: Konkrete Ideen und Experimente, wie hierarchiefreie Entscheidungs- und Aktionsstrukturen aussehen können, werden kaum entwickelt und vorgeschlagen.

Damit soll ein Ende sein – so die Hoffnung, die sich mit dieser Veranstaltung verbindet. Ziel ist, eine Diskussion zur Aufdeckung von Dominanzverhältnissen und zur Entwicklung konkreter Vorschläge für deren Abbau zu entfachen. Sie soll im günstigsten Fall als dauernde Debatte bestehen bleiben, immer wieder Ideen und Versuche austauschen, reflektieren und weiterentwickeln.

Die Zeiten quälender Plena, intransparenter Machtzirkel, der Neigung zu zentralen Strukturen oder Entscheidungen, der Stellvertretungspolitik in der Bewegung und des dominanzbildenden Gegeneinanders sollen vorbei sein – stattdessen zählen ein horizontales, gleichberechtigtes Miteinander, die Dezentralisierung von Entscheidungen, das konsequente Ringen um Transparenz und gleichberechtigten Zugang zu Wissen und Ressourcen in politischen Zusammenhängen, aber auch die Effizienz von „Bewegung von unten“. Hierarchiekritik versucht Rahmenbedingungen und Kommunikationsmöglichkeiten für einen gleichberechtigten Austausch zu schaffen: Z. B. der Abbau von Zurichtungen auf bestimmte Rollen und Erwartungshaltungen (Geschlechterrollen, Erwachsene-Kinder, CheckerInnen usw.).

In dem Seminar soll soll eine bildnerische Grundlage für hierarchiearme Gruppenorganisation und Vernetzungen geschaffen werden. Das Seminar wird theoretisches und methodisches Handwerkszeug vermitteln, welches ein horizontales Miteinander und eine Organisation von Unten ermöglicht. Bei der Umsetzung werden jugendbildnerische Qualitätsstandards, die das Biko in den letzten Jahren entwickelt hat, selbstverständlich eingehalten. Wir reflektieren unsere Bildnerinnenrolle kritisch und legen den Schwerpunkt auf erfahrunsbasiertes Lernen, einen konstruktivistisches Lernverständnis und das Ausprobieren von hierarchiearmen Methoden und Praktiken.

Theorie:
– Was ist Herrschaft?
– HierarchNie?!
– Wir setzen die Herrschaftsbrille auf
– Über Eliten in der Politischen Bewegung
– Transparenz in der Gruppenorganisation
– Organisation von unten

Methoden:
– Fishbowl Diskussion
– Open Space
– Offene Räume
– Kreative Kleingruppenarbeit
– Tuschelrunden
– Möglichkeiten der Entscheidungsfindung
– Blitzlicht, Go-Around, Feedback, Visualisierung, Metaplankarten, Brainstorming u. a.

Moderator_innen: Sascha Möckel (Bildungskollektiv Biko: http://biko.arranca.de/); Ramona Tax (RLS-Stipendiatin), Matthias Zwack (Historiker) Die Veranstaltung findet in Kooperation der Rosa Luxemburg Stiftung Bayen und der antifa nt statt.

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