Ein etwas schwieriger Artikel enthält auch:

Dass er im Alter von gerade mal 18 Jahren nicht nur am Rande mit den verheerenden Folgen des Zweiten Weltkrieges konfrontiert wurde, sondern bereits ein aktiver Teil jenes Wahnsinns war, das fand in seinen Geschichten zwar ebenfalls Erwähnung, aber, und das war auffällig, immer nur sehr beiläufig.

Das Buch „Männerseelen“, Ein psychologischer Reiseführer“ von Björn Süfke gibt einige gute Hinweise auf das Schweigen der Männer:
(Das Schweigen der Frauen nach Missbrauch und Vergewaltigung war nun schon öfter Thema, sogar in Radiosendungen)

– die Angst vor den eigenen „schwachen Gefühlen“
– die Verdrängung der Unterlegenheit in Autoritätskonflikten
– die Angst vor den eigenen Anteilen an Angst, Trauer und Wut

Die Beiläufigkeit ist eine typische Art der Vermeidung klarer Ansprache, Auseinandersetzung und Konfrontation, die fällig wäre:

„irgendwie ist er einfach nicht in der Lage, sich gebührend auf seine unmittelbaren Nächsten zu konzentrieren.“

So mit der Zeit allerdings habe ich dann doch einiges aus jenen Tagen während des Krieges erfahren. Erwähnungen, Gedankenfetzen von ihm, die sich mir, so nach und nach, wie bei einem Puzzle, zu einem Bild formierten. Jedenfalls habe ich es so empfunden.

Ein fürwahr schreckliches Bild, das sich mir auf diese Weise bot, ein Einblick, der sich sogleich und unbeirrt in der vordersten Reihe meines Erinnerungsvermögens einen Platz gesucht hat. Im Jahre 1942, als die diktatorische Herrschaftsform Hitlers ihren militärischen Zenit erfuhr, kämpfte Harald Schrander als Soldat an vorderster Front. Der Russlandfeldzug benötigte jeden Mann, so hieß damals die Parole, und für den Krieg hatte ein Achtzehnjähriger gefälligst ein Mann zu sein, hatte gehorsamst Menschen totzuschießen, beziehungsweise sich totschießen zu lassen. All die Gräueltaten, die üblicherweise mit jedem Krieg einhergehen, die waren die Begleiter des Mannes Harald Schrander.

Die Verarbeitung der offenen traumatischen Erfahrungen erfolgte in den fünfziger Jahren gemeinschaftlich, die privaten Verletzungen wurden aber weiter verdrängt: Als Schwuler im KZ gewesen, ließ die Verwandtschaft flüstern, die gemeinsame Trauer konnte nur das öffentlich zulässige ausdrücken. Entsprechend wichtig waren die öffentlichen Totengedenken, grüßen immer noch zahlreiche Heldengedenksteine in Ortschaften und Kirchen.

Diese müssen nun allmählich aktualisiert werden, sind wir doch schon mit dem Bündnisfall 11.9. seit fast zehn Jahren im Krieg,

http://www.theintelligence.de/index.php/gesellschaft/kommentare/2779-die-gestohlene-jugend.html

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