Eingerichtet in der Lüge, in der eigenen Erzählung der Geschichte. So, wie das ganze Land. Höchstens Mitläufer. Persilschein-gewaschene Ordnungsmenschen. Faschistisch erzogen.

[Das ist hier kein Vorwurf. Nur eine Feststellung. Die Lüge war zum Überleben wichtig. Damals. Bis die Wahrheit dahinter verschwand. Scheinbar. Das Unbewusste hat aber nicht wirklich vergessen. Es kann Unruhe bereiten, wenn es Gefahr wittert. Es wittert plötzlich immer öfter. Es wird unsicher.]

Die Ideologisierung der Strafe
Der Faschismus brachte eine Überhöhung der Strafe, als Rache, Unversöhnlichkeit, Feindlichkeit, Front, Abschreckung für Überläufer, Verräter. Eine Verschiebung von der Wiedergutmachung, die ins Recht aufgenommen worden war, zur Willkür, Bedrohung.

Es gab so Vieles, was wir nie werden wollten.
Einer, der in den 60er und 70er Jahren die Vorgänge in Romanen offenlegte: Simmel: Es muss nicht immer Kaviar sein, und Affäre Nina B.
Jener Johannes Mario Simmel, von dem die Mädels damals nur „Und Jimmi ging zum Regenbogen“ wie „Liebe ist nur ein Wort“ kannten … hatte ausführlich beschreiben, wie die Nazis sich in der Adenauer-Republik wieder eingerichtet hatten, ihre Seilschaften in alle Ämter einrichteten.

Das vorzeitige Ende der Entnazifizierung, der Verfolgung, der frische Einsatz der alten Kämpfer für den Antikommunismus und das frisch aufstebende Kapital. Flick-Enteignung gesetzlich beschlossen, aber nie durchgeführt, IG Farben in Jahrzehnten erfolgreich (nun ohne Zwangsarbeit) weitergeführt, statt abgewickelt, Quandt und die Goebbels-Erben werden BMW und unschuldig, hatten NIEEEE mit Zwangsarbeit und gnadenlosem chemischen Menschenverschleiss bei VARTA zu tun – oder hiessen die damals anders?

So weit alle rundum beteiligt waren, konnte man sich in den Reihen verstecken. Aber es gab immer Verantwortliche, Rache, Strafe. Angst davor. Damit wurden wir als Kinder in Schach gehalten. Das hat uns zum Schweigen gebracht, einsam gemacht. Scheu. Nazikinder.
Isarbrücke

[Hier entsteht eine Sammlung von Texten, die mit der Analyse, mit der Begleitung, mit der Verarbeitung von Kriegstraumata, mit den Hintergründen des Vergessens, mit dem Aufbrechen der alten Erinnerungen zu tun haben. Das Ertragen der Unruhe, die Neubewertung der Erlebnisse, die Gestalt-Begleitung durch die Ängste, die Versöhnung mit der eigenen Geschichte … in Teilen auch im Nachkriegskinder.blog – denn die Folgen der Tabuisierung und Verdrängung wirken über Generationen weiter – auch bis zu den Enkeln.]