Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als es nur Schwarz-Weiß-Fernsehen gab? Dann vielleicht an die Zeit, als die meisten Bilder in den Zeitungen schwarz-weiß waren? Das ist noch gar nicht so lange her, dass alles so bunt wurde. bimuc

Einen Teil der bunten Bilder dürfen alljährlich die aufgeputzten Tunten beim Christopher Street Day liefern. Die Lesben erscheinen meist nicht spektakulär. Und alles dazwischen bleibt eher ungesehen, ist mit komplizierten Begriffen wie Transgender, Intersexuell und Bisexuell oder Queer beschrieben.

„Tunten“ war vor einigen Jahren noch ein Schimpfwort, wie es „schwul“ immer noch auf allen Schulhöfen ist, bis sich einige der Homosexuellen in den 80er Jahren zusammen taten und selbst so bezeichneten. in den 70er Jahren hatten erste Filme, die kämpferische und verliebte Männer zeigten, für Auseinandersetzungen und Skandale gesorgt, heute kommen Schwule in vielen Fernseh-Serien vor, die Lesben sind noch etwas seltener.

Ganz unsichtbar bleiben in der öffentlichen Wahrnehmung die Bisexuellen, aber wohl nicht, weil schon Siegmund Freud meinte, alle Menschen seien bisexuell angelegt. Auch als Alfred Kinsey seine Reports zur Sexualforschung in Amerika veröffentlichte, wurde eine wichtige Tatsache meist übersehen: Dass 60% der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens auch andere als heterosexuelle Erfahrungen machen.

Die medizinische Forschung hatte unsere Gedanken auf eine fixe Prägung gelenkt, hatte Gehirne vermessen und in den Genen gesucht. Wie im Schwarz-Weiß-Fernsehen hatte sich als Gegenstück zur heterosexuellen „Normalität“ eine homosexuelle „Identität“ entwickelt, aber die weiteren Farben und Orientierungen blieben unterentwickelt.

Für Geschlechtsveränderungen, Transgender, sind längst vorsorgliche Gesetze geschaffen worden, die mit Psychotherapie und Passveränderung der Wandel einer Person regeln. Für die sexuelle Orientierung – die sich dabei nicht ändert, brauchen wir natürlich keine Gesetze, aber es würde dem öffentlichen Bewusstsein gut tun, etwas mehr darüber zu wissen, damit die Einzelnen nicht erst in der Selbsthilfegruppe oder am fachlichen Stammtisch das Bewusstsein bekommen, nicht die einzigen halb-Verzauberten zu sein.

Wenn in der Gleichstellungsdiskussion der Partnerschaften und in der Diversity-Politik in aufgeschlossenen Unternehmen die sexuelle Orientierung thematisiert wird, sind die Bisexuellen meistens nicht dabei. Auch ist ihre Selbstorganisation viel geringer und aus der Vielfalt der Interessen und Orientierungen schwieriger als der Wechsel in eine andere „fertige“ Identität. So haben viele mit einer Ehe, einer Familie, einer öffentlichen Rolle Verantwortungen übernommen, die bei einer veränderten Orientierung in Frage gestellt werden können.

Alle alten Buch-Religionen und die verengende konservative Moral der Reproduktion verweigern einer anderen Liebe die Berechtigung, während in frühen Kulturen oft eine heilende oder visionäre Rolle für die zwischen den regulären Familienrollen lebenden Menschen vorgesehen war. Die Frage des Ehebruchs liegt auch bei allen heimlichen Aussen-Beziehungen nahe, und die große Kunst ist das offene Gespräch in der Partnerschaft, das gemeinsame Regelungen für das Glück aller Beteiligten findet. Regenbogen-Familien haben die Intelligenz dazu.

In den angelsächsischen Ländern und USA gibt es eine breite Bewegung und Forschung zu den Lebensformen, in den norddeutschen Ländern gibt es seit gut 20 Jahren regelmäßige Treffen und Tagungen. Nun ist erstmals ein treffen im Süden geplant:
Bi in the City – Bisexuelle Convention in München

Vom 12. bis 14.10.2012 findet in den Räumen der Münchner Aidshilfe e. V. die erste mehrtägige Veranstaltungen für Bisexuelle im Großraum München statt. Bi in the City beschäftigt sich ein Wochenende lang rund um das Thema Bisexualität.

Bi in the City bietet Workshops, Seminare, Gesprächsrunden und Vorträge. Die Veranstaltung wird durch die BiNe – Bisexuelles Netzwerk e. V. getragen und ist in Zusammenarbeit mit vielen lokalen Gruppen aus den Müncher LGBT Umfeld entstanden.

Weitere Informationen & Anmeldungen auf www.bine.net bi80

Jeden 3. Dienstag im Monat trifft sich der bisexuelle Stammtisch im Cafe Glück, Palmstr. 4 – weiteres dazu auf http://www.bi-muc.de
Fachliche Diskussionen auf http://www.bisexualitaet.org twitter bisexualitaet oder InfoBimuc
Facebook Seite www.facebook.com/BiConventionMuenchen bitte als gefällt mir markieren!

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