Bericht zur Regenwald-Partnerschaft 2014

Betreuung der Projektpartnerschaft mit dem Volk der Asháninka (Peru)

 Förderung Referat für Gesundheit und Umwelt im Haushaltsjahr 2014

 Regenwald_kalender_2015

  1. Weiter gilt: Die Repression gegen Indigene im peruanischen Regenwald geht weiter:

 

Die Ermordung von vier Asháninkaführern aus dem Dorf Saweto (an der Grenze zu Brasilien gelegen) durch illegale Holzfäller im Auftrag der Holzfäller im September 2014 zeigte, wie brutal der Kampf um die Ressourcen des Regenwaldes geführt wird.

In diesem Fall ging es um wertvolle Tropenhölzer. Gut, dass die Münchener Stadtverwaltung sich an den Beschluss hält, kein tropisches Holz zu verwenden und so nicht diese kriminellen Machenschaften durch den Kauf noch unterstützt.

 Seitens der Partnerschaft (Arbeitskreis München-Asháninka) haben wir die Informationen verbreitet, Solidaritätsbriefe geschrieben und zur Unterstützung der Witwen und Waisen der ermordeten Asháninka aufgerufen.

In anderen Regionen des peruanischen Regenwaldes geht es um das Fördern von Gold, Erdgas oder Erdöl. Am Ene-Fluss im zentralen Regenwald Perus haben die Dorfchefs (Apus) einiger Dorfgemeinschaften am 23.12.14 die staatliche peruanische Erdölgesellschaft Pluspetrol friedlich aufgefordert, ihre Maschinen und ihr Personal abzuziehen.

Das wurde über deren Föderation CARE veröffentlicht, die wir als Arbeitskreis vor einiger Zeit im Kampf gegen ein großes Staudammprojekt unterstützt hatten. Hier bahnt sich wohl ein neuer Konflikt an.

In der Grenzregion, wo die Asháninka und die Matsiguenga leben, im Regenwald des Departements Ayacucho, hat der Umschlag von Kokainpaste zugenommen. Da der Transport auf den Flüssen und Landwegen durch stärkere Polizeikontrollen abgenommen hat, wird verstärkt auf den Transport des Kokains durch Kleinflugzeuge gesetzt.

Für diese Kleinflugzeuge, die jetzt aus Bolivien kommen, machen Dorfbewohner (Nicht-Indigene) Landebahnen im Wald oder an Flüssen. Sie werden dafür gut bezahlt. Das bringt Stress und Repression auch in die dortigen indigenen Nachbarsiedlungen.

 Im Dezember 2014 starb der bisherige Bürgermeister des Distrikts Rio Negro und gewählter Bürgermeister der nächsthöheren Verwaltungseinheit, der Provinz von Satipo, bei einem bisher ungeklärten Verkehrsunfall durch Ertrinken im Fluss Perene. Eine These ist, dass dieser Unfall von seinen politischen Gegnern herbeigeführt wurde, weil sein Fahrer, bevor er in den Fluss fuhr, aus dem Auto gesprungen ist.

Wir hatten mit Bürgermeister Zevallos eine gute Zusammenarbeit, da er die Anliegen der Asháninkadörfer ernst genommen hat und angekündigt hat, auch in der Provinz Satipo Umweltschutz in den Vordergrund zu stellen und die Korruption (durch seinen Vorgänger etabliert, der deswegen Gerichtsverfahren anhängig hat) zu bekämpfen.

Als AK München-Asháninka haben wir Beileidsbriefe geschrieben.

 

Positive Nachrichten aus dem zentralen Regenwald:

Die Präsidentin der Asháninkaföderation CARE vom Ene-Fluss, Ruth Buendia M., wurde 2014 mit dem renommierten internationalen Goldman-Umweltpreis ausgezeichnet. Ruth B. war vor einigen Jahren auch als Referentin in München.

Als AK München-Asháninka haben wir diese wichtige Information verbreitet und ihr gratuliert.

 Die indigenen Organisationen aus dem peruanischen Regenwald konnten sich mit viel Mühe und Schwierigkeiten aktiv beim Klimagipfel im Dezember 2014, der COP 20 in Lima, einbringen.

Hierzu wurde in Kooperation mit der Informationsstelle Peru e.V. vom Koordinator eine „Grundinformation“ erstellt, um u.a. auf die Bedeutung der Regenwälder und der indigenen Bevölkerung hinzuweisen.

Ein Teil in dieser Grundinformation hatte die Situation der Asháninka zum Thema.

 

  1. Aus der direkten Koordinierungsarbeit „AK München-Asháninka“

  1. Reise von Asháninka-Delegierten nach München

In enger Kooperation mit der Fachstelle Eine Welt (RGU) und dem Nord Süd Forum München e.V. fand vom 8.10.-28.10. 2014 die Delegationsreise von Lourdes Irova C. (neu gewählte Koordinatorin des Referats für die Entwicklung der Asháninka-Dörfer im Distrikt Rio Negro) und Ociel Egoavil P. (technischer Mitarbeiter in o.g. Stelle) nach München statt.

In dieser Zeit fanden 25 Referate bzw. Gespräche auf Fachebene statt: 2 x in einer Kindertagesstätte, 9 x in Münchener Schulen (Grund-Real-Gymnasium, Berufsschule, München-Kolleg und Hochschule), 8 Veranstaltungen im außerschulischen Bereich (mit dem Kreisjugendring, Haus am Schuttberg, Nord Süd Forum, Volkshochschule Gasteig und Museum Mensch und Natur), verschiedene Fachgespräche, z.B. im Münchener Rathaus, Städt. Forstamt, Städt. Baumschule sowie die Teilnahme am bundesweiten Kongress Netzwerk 21.

Dazu gab es diverse Interviews für Radio, Zeitungen, Fachzeitschriften etc.

Durch diese Aktivitäten wurden ca. 1.200 Menschen direkt erreicht, eine größere Anzahl durch die Interviews in Radio und Zeitungen.

 

  1. Weitere Veranstaltungen wurden z.T. in Kooperation mit anderen Trägern organisiert, u.a. zu den Themen:

  • Coca – Kokain in München,

  • das indigene Konzept des BUEN VIVIR (Das gute Zusammenleben) in München, Köln, Mainz, Kassel,

  • Vortrag in Berlin im Haus der Menschenrechte (Berlin Schöneberg) zum Internationalen Tag der Menschen. Thema: Das Leid der Asháninka in den Zeiten des internen Krieges in Peru in den 80-90iger Jahren, u.a. verursacht durch den Leuchtenden Pfad, und Fragen der Aufarbeitung,

  • Referat im Forum Globales Lernen in München: Globales Lernen am Beispiel München-Asháninka,

  • Hinführung von Studierenden im Rahmen von Lernaufträgen, u.a. zum Thema: Sozialarbeit International – Bürgerengagement und Kooperation mit städtischen Stellen.

  • Teilnahme am bundesweiten Kongress Zeitzeichen mit Betreuung des Infotisches.

 

  1. Zur Koordinierungsarbeit gehörte außerdem:

Vorbereitung und Nachbereitung von sechs Koordinierungstreffen des AK München-Asháninka,

Erstellung von 4 Rundbriefen München-Asháninka. Es wurde wieder ein Fotokalender München-Asháninka erstellt, die Fotos aus einem guten Fundus ausgewählt, eine Einführung geschrieben. Der Kalender wurde in einer Auflage von 500 Exemplaren gedruckt, die am 22.12.14 verkauft waren. Der Erlös geht in Projekte der Asháninka.

Wir berieten das Ökoprojekt Mobilspiel zum Bildungsprojekt Regenwaldschutz – nachhaltige Lebensweise für Kinder und Jugendliche (Handbuch)

Zudem betreuten wir den intensiven elektronischen Schriftwechsel mit PartnerInnen in Peru, ExpertInnen in Peru und Europa, mit dem KlimaBündnis, mit Interessierten aus Forschung, Entwicklungszusammenarbeit, Studierenden, kirchlichen Organisationen etc.

 

  1. Betreuung einer Vielzahl von Projekten mit den indigenen Partnerorganisationen:

(Vorplanung, Diskussion über Zielsetzung, Fragen der Wirkung, Zwischenberichte, Abschlussberichte, Übersetzungen, Abrechnungen etc.)

Zu erwähnen sind hier:

a. Evaluierungsprojekt der von München unterstützen Projekten durch den peruanischen Entwicklungsexperten Carlos Herz vor Ort,

b. Fortbildungskurs „Schmuckherstellung“ und Erreichung der juristischen Anerkennung von drei neuen Frauengruppen im Distrikt Rio Negro (was über die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden Württemberg lief und wobei der Weltladen El Mundo in Schorndorf der Hauptträger war),

c. „MARKA ASHANINKA“: Das kleine Unternehmen zur Verbesserung des Verkaufs des Asháninkaschmucks erreichte es, dass eigenes Schmuckdesign als „Patent“/Markenzeichen offiziell anerkannt wurde und damit nicht einfach nachgemacht werden darf.

d. Kakaoprojekt in Boca del Chenic: Hier ging es darum, dass die indigenen Kakaobauern in diesem Dorf ihre juristische Anerkennung bekommen, um als Vertragspartner offiziell – auch gegenüber staatlichen Stellen – auftreten und Rechtsgeschäfte als Gemeinschaft (Genossenschaft) abschließen zu können. Das Projekt war im Jahr 2014 noch nicht abgeschlossen.

e. OCAR – Anerkennung. Hier ging es um die Unterstützung zur juristischen Anerkennung des Zusammenschlusses (Föderation) von Asháninkadörfern im Landkreis Rio Negro. Das Projekt zieht sich in die Länge und ist 2014 noch nicht abgeschlossen.

f. RENTA 65. Alte indigene Menschen sollen Identitätsnachweise bekommen, damit sie in den Genuss der staatlich vorgesehenen Mindestrente und der Krankenversicherung kommen, und Unterstützung bei den Beerdigungskosten erhalten. Da die staatlichen Stellen sich hier nicht engagieren, war es gut und wichtig, dieses Vorhaben zu unterstützen, damit verarmte alte Asháninka ihr Recht bekommen. Das Vorhaben ist sehr mühsam und bürokratisch und ist 2014 noch nicht beendet.

g. BÜRGERHAUSHALT (Presupuesto Participativo): Verständliche, sachkundige, praxisorientierte Fortbildungen in Asháninka-Dörfern sollen die Bewohner bzw. ihre Verantwortlichen dazu anleiten, in der richtigen Form Anträge zu stellen, um öffentliche Zuschüsse für ihre Dörfer zu bekommen.

Das gilt z.B. für Vorhaben wie Schulbildung, Gesundheitsfürsorge oder Wiederaufforstung. Zur weiteren Verbreitung der Informationen soll ein Comic erstellt und anderen Organisationen im Regenwald zur Verfügung gestellt werden.

Wenn die Dörfer es erreichen, mehr Unterstützung aus dem öffentlichen Haushalt zu bekommen, benötigen sie weniger Unterstützung aus dem Ausland. Das Projekt hat erst im Dezember 2014 begonnen.

h. STUDIENREISE – AUSTAUSCH – FORTBILDUNG: Regenwald und Küste:

Frauen aus dem Regenwald fuhren an die Küste – Frauen von der Küste fuhren in den Regenwald. Dabei war die gemeinsame inhaltliche Klammer der Kakao. Beide Frauengruppen stellen aus Kakaopaste Schokolade, Pralinen etc. her.

Sie sichern sich dadurch z.T. das Überleben ihrer Familien. Ziel dieses Projekts: Gemeinsame Fortbildung in Produktverbesserung in einem Kurs in Pisco (Küste), Kennenlernen der unterschiedlichen Lebensbedingungen.

Und: Vor Ort schauen, ob der Kakao der Asháninka aus Boca del Chenic für die Frauengruppe aus Pisco für ihre Schokolade geeignet ist. Vorgesehen ist: Die Frauengruppe aus Rio Negro macht aus dem Kakao von Boca del Chenic die Kakaopaste und verkauft sie an die Frauen von Pisco.

i. Preisgeld vom Zeitzeichen-Wettbewerb: Das Preisgeld (2.500,- €) aus dem Jahre 2013 wurde den „Schokoladenfrauen“ (Projekt Warmi-Tsinane) in Rio Negro zur Verfügung gestellt. Es wurden mit dem Geld im Jahre 2014 kleine Maschinen angeschafft, um damit die Qualität der Kakaopaste und Schokolade zu verbessern. Das machte sich u.a. beim Verkauf in der großen Ernährungsmesse MISTURA (ähnlich wie die Grüne Woche in Berlin) in der peruanischen Hauptstadt Lima positiv bemerkbar. Alle mitgenommenen Produkte konnten verkauft werden, mit einem Erlös von ca. 1.000,- € für das Projekt.

Hervorzuheben ist die sehr positive Zusammenarbeit mit der Fachstelle Eine Welt (RGU), dem Nord Süd Forum München e.V. und: dieses ganze umfangreiche „Programm“ ist nur möglich durch das große Engagement von AktivistInnen im AK München-Asháninka.

Heinz Schulze

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