Die „Ehe für Alle“ oder Sprechverbot über Homosexualität? Todesstrafe oder Ministerpräsident? Alles scheint möglich, aber die Hälfte spinnt noch immer.

Die Nazis waren Vorreiter der Verfolgung

wie Nigeria und Tschetschenien: Was für seltsame Kombinationen!

Dabei war die SA durchaus in schwuler Leitung gewesen und erst in der „Nacht der langen Messer“ 1934 begann die massive Verfolgung, mit Steigerung im Herbst 1936, die Gültigkeit des §175 ging dafür über die Adenauerzeit bis fast 1990.

München setzt ein Zeichen

mit einem Bodendenkmal am Oberanger Ecke Dultstraße Di 27.6. ab 18h mit dem Regenbogenchor und OB Reiter, Thomas Niederbühl und Kulturreferenten

Der Kampf gegen die Verfolgung Karl_Heinrich_Ulrichs

begann vor 150 Jahren durch Karl Heinrich Ulrichs am 29.8.1867 öffentlich zu werden:

Beim Juristen-Kongress im Odeon in München

„… rechne ich es mir zum Ruhme an, dass ich am 29. August 1867 in München in mir den Muth fand, Aug´ in Aug entgegenzutreten einer tausendjährigen, vieltausendköpfigen, wuthblickenden Hydra, welche mich und meine Naturgenossen wahrlich nur zu lange schon mit Gift und Geifer bespritzt hat, viele zum Selbstmord trieb, ihr Lebensglück allen vergiftet. Ja, ich bin stolz, dass ich die Kraft fand, der Hydra der öffentlichen Verachtung einen ersten Lanzenstoß in die Weichen zu versetzen.“

Tobende Juristen

 

Grabstelle Karl_Heinrich_Ulrichs wikipedia

„Na ja, es hat dann letztlich doch noch etwas länger gedauert… mit der rechtlichen Gleichstellung , ich habe es nicht mehr erlebt, ich… mich zog es zuletzt in die Gefilde, die auch unserem geliebten Platen als letzte Heimat dienten und widmete mich dem Lateinischen und den Lerchen.“

Wiederauflebend: “ Ihr aber, seht wie ihr hier sitzt, wie ihr hier feiert… so ist es zum Schluss doch gelungen! Und ihr habt meiner gedacht mit einem eigenen Platz in München. Und ich kann euch verraten: In Aquila,um meine weiße Grabplatte, steppt heute abend der schwule Bär, und der ist kein Problembär mehr!“


„Er solle doch wenigstens lateinisch sprechen“ und sonstige empörte Ausrufe sind auch im NS-Doku-Zentrum München demnächst wieder zu erleben:

Freitag, 25.08.2017 – Sonntag, 27.08.2017

Festakt zum 150. Jahrestag der Rede von Karl-Heinrich Ulrichs auf dem Deutschen Juristentag in München

und Jahrestagung des Fachverbands Homosexualität und Geschichte (FHG) www.invertito.de

Im Jahr 2017 kann ein besonderes Ereignis der gesellschaftlichen Formierung der bis dahin unterdrückten, ausgegrenzten und verfolgten Minderheitengruppe der Homosexuellen gefeiert werden:

Zum 150. Mal jährt sich der Auftritt von Karl Heinrich Ulrichs am 29. August 1867 vor mehr als 500 deutschen Rechtsgelehrten auf dem Münchner Juristentag im großen Saal des Odeon. fhm_200x200

Ulrichs’ Forderung war revolutionär, da er mit seinem öffentlichen Eintreten für die reichs-einheitliche Straffreiheit gleichgeschlechtlicher Beziehungen einen wesentlichen Beitrag zum Bewusstsein für eine rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Homosexuellen leistete.

Programm:
Samstag, 26. August Tagung des FHG

  • Vorträge von Maria Bühner (Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig): Im Aufbruch: Die Lesbenbewegung der DDR aus emotions- und körperhistorischer Perspektive,
  • Raimund Wolfert (Mitarbeiter der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft): Ernst Ludwig Driess. In der Tradition Magnus Hirschfelds,
  • Ariane Rüdiger (Freie Journalistin und Lektorin): Der Münchner Arbeitskreis Lesben und Arbeit – ein Einblick in lesbische Befindlichkeiten „on the job“ in den frühen 1990er Jahren, Kirsten Plötz (Freie Historikerin, Hannover): Zentrale
  • Ergebnisse des Forschungsprojekts über Verfolgung und Diskriminierung im jungen Bundesland Rheinland-Pfalz und Matthias Gemählich (Promovend im Fach Geschichte an der Universität Mainz): Die Verfolgung von Homosexuellen in der NS-Zeit in Nürnberg

Ort: Seminarräume des NS-Dokumentationszentrums, Brienner Str. 34, 80333 München Uhrzeit: 10:00–13:00 Eintritt: frei, bitte am Info-Desk des NS-Informationszentrums nach den Seminarräumen fragen

Stadtrundgang auf den Spuren von Karl Heinrich Ulrichs

Treffpunkt: Karl-Heinrich Ulrichs Platz 15:30–17:30 Eintritt: frei, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung: veranstaltungen.nsdoku@muenchen.de; 089-233-67015

Festakt zu Ehren von Karl Heinrich Ulrichs

  • Re-Enactment des Auftritts von Karl-Heinrich Ulrichs vor 150 Jahren im Münchner Odeon durch Laienschauspieler, unterstützt durch eine Theatergruppe
  • Vortrag von Wolfram Setz zur Biografie Karl-Heinrich Ulrichs und zur aktuellen Ulrichs-Forschung
  • Grußwort von Anke Müller-Jacobsen, Vertreterin des Deutschen Juristentags
  • Vortrag von Andreas Pretzel zur Entwicklung des § 175
  • Moderiertes Schlusswort von Betroffenen des § 175

Ort: Vortragssaal des NS-Dokumentationszentrums, Brienner Str. 34, 80333 München
Uhrzeit: 19:00–21:00 Eintritt: frei, mehr Informationen und Programminfos demnächst auf www.forummuenchen.org

 

 

 

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